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Altes Handwerk – neu belebt

Torfstechen – Brennmaterial aus alter Zeit

Torfstechen – Brennmaterial aus alter Zeit

Trocknung des Torfes © Hans Klöck

Früher wurde Torf als Heizmaterial genutzt. Auch ich verwende den getrockneten Torf bei mir zu Hause als Brennmaterial. Es ist schon sehr angenehm, wenn ich im Winter abends drei Torfstücke auf das Kaminfeuer lege und sich die Glut bis zum nächsten Morgen ohne Probleme hält.

Das Torfstechen hat in meiner Familie Tradition – schon der Großvater meiner Frau stach Torf. Mich hat die Geschichte des Torfstechens so fasziniert, dass ich sie gerne unseren Gästen vermitteln wollte. Was lag da näher, als das „Schau-Torfstechen“ ins Leben zu rufen, zumal dies eine ideale Ergänzung zu unserem neu angelegten Moorlehrpfad in Bad Bayersoien darstellt.

Birgit Klöck mit Gästen

Birgit Klöck mit Gästen © Birgit Klöck

Mit einer Gruppe Interessierte gehe ich zu unserem Torfgrundstück, das direkt neben dem Moorabbau-Grundstück der Gemeinde liegt, und zeige dort, wie Torf abgebaut wird. Natürlich erzähle ich auch, wie der Torf entstanden ist, dass er bereits 10.000 – 12.000 Jahre alt ist und die Torfschicht etwa 1 mm pro Jahr wächst. Eine Dame, der ich einen, in unteren Lagen gestochenen Moorbrocken in die Hand drückte, war total sprachlos, dass sie tatsächlich ca. 8.000 Jahr Erdgeschichte fest hält.

Im Torfstich

Im Torfstich © Hans Klöck

Ich erkläre, dass ich erst einmal Tage vor dem Stechen einen Graben am Torfabbauplatz ziehen muss, denn der Torf ist mit Wasser so vollgesogen, dass ein Abbau ohne diese Entwässerungsmaßnahme nicht möglich ist. Danach wird die obere Grasnarbe auf einer Tiefe von ca. 50 cm abgetragen – sie ist zu trocken und bröselig, als dass sie als Brenntorf verwendet werden kann.

Torfstechmesser

Torfstechmesser in "L"-Form © Hans Klöck

Mit einem „L“-förmigen Messer schneide ich nun gleichmäßige Stücke von etwa 10 cm x 10cm x 30 cm Größe aus und lege sie zum Trocknen aus. Der Trockenprozess läuft in etwa vier Phasen ab. Zuerst schichte ich die Blöcke jeweils in 5 Reihen mit jeweils 2 Stücken aufeinander und lasse diese etwa 4 Wochen an der frischen Luft trocken. Ist der Torf einmal getrocknet, nimmt er keine Flüssigkeit mehr auf. Da ich das meiner Frau nicht so recht glauben konnte, machte ich den „Selbstversuch“ – ich ließ einen trockenen Brocken 1 Jahr (!) lang in der Regentonne im Wasser schwimmen – er war danach innen immer noch staubtrocken – unglaublich, aber wahr.

Der Torf trocknet

Trocknung des Torfes © Hans Klöck

Durch die Grundtrocknung kann ich nun mehr Reihen aufeinander stapeln. Die Brocken werden in umgekehrter Reihenfolge auf den Boden gelegt und ca. 1,5 Meter hoch gestapelt. Damit dieser Stapel nicht umfällt, nutze ich Stecken als Stabilisator. Insgesamt wird 3 Mal nach jeweils 5 Wochen umgeschichtet - die trockenen Stücke nach unten, die anderen nach oben. Danach sind die Torfstücke so trocken, dass ihr Gewicht nur noch etwa ein Achtel des Ursprungsgewichts ausmacht. Ich hab das mit der Küchenwaage nachgewogen, ein ursprünglich 2,5 kg schweres Stück wiegt nun etwa 300 g.

Schau-Torfstechen

Hans Klöck sticht den Torf © Hans Klöck

Beim Schau-Torfstechen ist nicht nur Zusehen angesagt, ich lasse die Leute gerne auch mal selbst mit anpacken. Jeder darf mal stechen, jeder darf mal stapeln oder den Schubkarren mit den Blöcken schieben. Besonders Kindern macht es Riesenspaß, obwohl sie sich sehr schwer tun, einen Brocken auszuschneiden – selbst die Erwachsenen haben damit ihre Probleme. Es ist schon eine besondere Technik notwendig, um gute Ergebnisse mit geringerem Kraftaufwand zu erzielen.

Was wird bzw. wurde aus Torf hergestellt

Was wird bzw. wurde aus Torf hergestellt?

  • Früher wurden Babybetten mit ganz feinem, trockenem Torfmull ausgelegt, um den Geruch und die Feuchtigkeit zu binden
  • Einstreu für’s Vieh im Stall
  • Pferdedecken aus Torffaserwolle
  • Dämmmaterial für Häuserbau

Unser Schau-Torfstechen findet ab 02. Juni jeden Montag um 17:30 Uhr am Haselbachweg (Fußweg ca. 1,4 km, ca. 30 min) und dauert etwa 1 Stunde. Die Teilnahme ist kostenlos– wir freuen uns über jede kleine Spende, da wir diese Führungen ehrenamtlich übernommen haben.

Zur Person

Hans Klöck

Hans Klöck

Hans Klöck ist 1970 geboren und in Bad Kohlgrub aufgewachsen. Seit 2002 ist er mit seiner Frau Birgit verbunden, die er bereits von der Schulzeit kennt und mit der er seit 2007 verheiratet ist. Durch sie lernte er auch das Torfstechen kennen, das die Familie seiner Frau schon seit Generationen ausübt. Hans und Birgit führen seit 2013 das Schau-Torfstechen ehrenamtlich durch.

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