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Markus Fenner, Drehbuchautor und Schriftsteller aus Bad Kohlgrub

Romanschreiben ist Herzenssache und Luxus

Romanschreiben ist Herzenssache und Luxus

Der Drehbuchautor und sein Werk © Michaela Feldmann

Ich habe mich immer sehr für Dinge interessiert, die es nicht gibt, die also erst erfunden werden müssen. Allerdings ist klar: sollen diese Erfindungen Aura und Gewicht haben, müssen sie in den Dingen wurzeln, die es gibt. Aus dem Boden des Wirklichen wächst, aufwärts ins Mögliche, der Stamm des Erzählten. Erst in der Phantasie des Lesers entfaltet sich dann seine Krone zu einer neuen Wirklichkeit... etwa so möchte ich die Faszination beschreiben, die das literarische, vor allem das Prosa-Schreiben, seit meiner Jugend auf mich ausübt.

Allerdings war ich durch ganze Lebensabschnitte hindurch mit anderen Formen des Erzählens beschäftigt. Zwar begann ich nach einem geisteswissenschaftlichen Studium als freier Schriftsteller, brach dann aber mit der Literatur und ging zum Fernsehen. Als Redakteur war ich mit der Produktion von Spielfilmen und Serien befasst. Später wurde ich Drehbuchautor, vor allem im Krimibereich, darunter mehrere Münchner TATORTE (z.B. „Tod auf der Walz“).

Drehbuchautor Fenner zu Hause

Markus Fenner recherchiert © Michaela Feldmann

Drehbuchschreiben ist bis heute meine Lebensgrundlage, doch ist in den letzten Jahren ein eigentlich altes Element in meiner Arbeit neu hinzugekommen. Der Umzug aufs Land (zunächst nach Steingaden) verwandelte mich nicht nur in einen überzeugten Provinzler. Er bewirkte auch eine Hinwendung zu regionalen Stoffen und, nicht zuletzt, eine Rückkehr zu meinen literarischen Wurzeln.

Erstes Ergebnis dieser Entwicklung war das Freilichtspiel WUNDER WIES, das mit über 200 Mitwirkenden in 12 Vorstellungen 2011 in Steingaden aufgeführt wurde, ein unvergessliches Erlebnis für mich. Das nächste Ergebnis ist der aktuelle Roman SPRACHLOS IN FÜSSEN, mit dem ich meine Faszination für das Prosa-Schreiben realisieren konnte.

Bücherregal

Bücher, nichts als Bücher - da kommt keine Langeweile auf © Michaela Feldmann

Der Unterschied zum Schreiben eines Drehbuchs?

Als Drehbuch-Autor arbeitet man im Team und nach den strikten Vorgaben des Genres, man liefert das Material und den Konstruktionsplan, aus dem der Regisseur dann einen Film in seiner eigenen Handschrift macht. Als Romanschreiber ist man viel weniger eingeschränkt, in der eigenen Autoren-Sprache erstellt man eine ganze Welt, in der man über jedes Detail bestimmt. Der fertige „Film“ dieser Welt läuft dann im Kopf des Lesenden ab, ein sehr intimer Vorgang zwischen Autor und Leser. Kein Wunder, dass so etwas ungleich weniger lukrativ ist als Drehbuchschreiben. Einen Roman zu verfassen, muss man sich leisten können.

Zum Buch:
Das historische „Totentanz-Bild“, zu dem ein Unbekannter anstößige Sterbe-Anzeigen veröffentlicht, das sterbende Musical-Theater in Füssen, eine junge Frau, die eisern den Vater ihres kleinen Sohnes verschweigt... die Geschichte eines Lokalredakteurs und seiner Freunde verknüpft sich schicksalshaft mit einem bäuerlichen Familiendrama, weil keiner der Akteure sein Schweigen bricht. Liebe, Tod und Sprachlosigkeit in einem spannenden und hintergründigen Roman aus dem Königswinkel.

Markus Fenner liest aus SPRACHLOS IN FÜSSEN am Dienstag, 30.09. 2014, um 19:30 Uhr in Bad Kohlgrub im „Jager-Haus“ (hinter dem Rathaus).

Zur Veranstaltung

Zur Person

Markus Fenner

Markus Fenner

Markus Fenner, 1950 in München geboren, hat 2011 mit seiner Frau in Bad Kohlgrub seine Wahlheimat und endlich ausreichend Platz für seine Bibliothek gefunden.

Das Paar hat eine Tochter und drei Enkel.

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