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In Altenau wurde Dank Josef Steiner das Kanonenschießen wieder lebendige Tradition

"Kommando Schuss"

"Kommando Schuss"

Die ersten Versuche vom Steiner Sepp 1993 © Franz Herterich

Meinem Freund Josef Steiner, den die meisten nur als "Steiner Sepp" kannten und der leider dieses Jahr im August verstoben ist, haben es die Altenauer zu verdanken, dass heute an Fronleichnam oder am Veteranenjahrestag die Böllerkanone zum Einsatz kommt.

1993 hat der Sepp die Böllerkanonen-Tradition fortgesetzt. Die Kanone vom Hersteller Zimmermann, die schon 1929 von dem damaligen "Ortsvermögen Altenau" erworben wurde, war zwar im Einsatz, aber sie funktionierte nicht richtig. Der Sepp hat schon immer gesagt: "Wenn ich in Rente bin, mache ich die Kanonier-Prüfung." Es ist doch eine Ehre, wenn man beispielsweise an einer Veteranenbeerdigung das letzte Salut schießen darf. Und so haben wir uns dann gemeinsam an die Arbeit gemacht.

Natürlich ist eine Böllerkanone kein Spielzeug, aber wenn nach Vorschrift gehandelt wird, kann eigentlich nichts passieren. Trotzdem gibt es natürlich viel zu erzählen. Besonders gut in Erinnerung ist mir die Geschichte mit dem Fehlschuss geblieben:

Wenn an Fronleichnam die Prozession unterwegs ist, bekommen wir die Information zum Schießen vom Feuerwehrkommandanten per Funk. Einmal hörten wir deutlich das Signal "Schuss" und feuerten ab.

  

Wenn es knallt sollte man hinter der Kanone stehen!

Wenn es knallt sollte man hinter der Kanone stehen! © Franz Herterich

Dann fragte uns der Kommandant über Funk, warum wir denn geschlossen hätten, denn es sei noch gar nicht soweit. Wir waren zuerst recht irritiert, aber dann stellte sich heraus, dass auf der gleichen Funkfrequenz noch andere Gemeinden mit ihren Böllerschützen kommunizierten und das Signal gar nicht für uns gedacht gewesen war. Um Verwechslungen zu vermeiden, haben wir übrigens seitdem das Kommando geändert auf "Kanone Altenau Schuss".

Wir haben lange versucht herauszufinden, woher unsere Kanone genau stammt, leider ohne Erfolg. Lediglich das Baujahr 1900 konnte uns beim TÜV mitgeteilt werden.

 

Überprüfung beim TÜV 2005

Überprüfung beim TÜV 2005 © Franz Herterich

Richtig gelesen: beim TÜV. Genauso wie ein Auto muss die Kanone regelmäßig alle fünf Jahre vom TÜV geprüft werden. Dort werden zum Beispiel die Kartuschen und das Kanonenrohr auf mögliche Schäden untersucht. Wenn der Termin bekannt ist, kommen auch immer mehrere Kanonen aus verschiedenen Orten zusammen.

Ich würde mir - natürlich auch im Sinne vom Sepp - wünschen, dass das Kanonenschießen bei uns in Altenau auch weiterhin praktiziert wird! Im Augenblick sieht es sehr danach aus, dass zwei Junge die Prüfung machen und die Tradition aufrecht erhalten.

Zur Person

Franz Herterich

Franz Herterich

Franz Herterich, Jahrgang 1937, war bei seinem Freund Josef Steiner über 20 Jahre seit 1993 "Hilfskanonier". Den Lehrgang mit Prüfung hat er zwar nicht absolviert, aber stets mit Begeisterung mitgeholfen, denn an der Böllerkanone sollte man immer zu zweit arbeiten. Oder, wie er es treffend formuliert: "Alloa beim Schießn, bist a Depp!".

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