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Ein Rückblick auf 100 Tage im Amt

Gisela Kieweg - die erste Bürgermeisterin im Ammertal

Gisela Kieweg - die erste Bürgermeisterin im Ammertal

Vor dem Rathaus © Ammergauer Alpen GmbH, Fotografin: Michaela Feldmann

Die ersten 100 Tage als Bürgermeisterin von Bad Bayersoien waren eine absolut spannende Zeit für mich. Es ist unglaublich, was ich alles dazu gelernt habe – und das, obwohl ich schon die letzten 17 Jahre in der Gemeindeverwaltung vor Ort arbeitete. Es kommt allerdings immer mal wieder vor, dass Leute hier anrufen und den Herrn Bürgermeister sprechen wollen. Die brauchen dann einen Moment, bis sie realisieren, dass ich als erste Frau den Chefsessel in einem Ammertaler Rathaus besetze.

Obwohl ich aus meiner langjährigen Tätigkeit in der Gemeinde viele Vorgänge kenne, hatte ich unterschätzt, wie viele, unterschiedlichste Außentermine wahrzunehmen sind. Im Juli stand fast jeden zweiten Tag einer an. Meine Kollegen, die schon länger im Amt sind, sagten mir aber, dass diese extreme Terminhäufung vor den Sommerferien normal ist. Manchmal war es aber auch so, dass ich morgens aufstand und mich auf einen relativ ruhigen Tag freute – und dann kam alles ganz anders. Wenn ich dann nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht, weil Viele gleichzeitig dringend etwas von mir brauchen, bin ich dann am Abend doch ziemlich geschafft. Schließlich will ich ja Allen gerecht werden.

Arbeit am Schreibtisch

Arbeit am Schreibtisch © Ammergauer Alpen GmbH, Fotografin: Michaela Feldmann

Mein Mann als ehemaliger zweiter Bürgermeister ist dann mein Fels in der Brandung und gibt mir Kraft. Auch die Tatsache, dass meine zwei erwachsenen Töchter 100prozentig hinter mir stehen, bedeutet mir sehr viel. Zur Ruhe komme ich am besten Zuhause beim Lesen historischer Romane. Dazu lege ich mich in einen Entspannungsstuhl, der direkt unter einem großen Dachfenster steht. Mein Lieblingsautor ist Oliver Pötsch aus Schongau, weil er sich für seine Handlungen immer wieder Schauplätze zwischen Rottenbuch und Wildsteig aussucht. Deshalb bin ich ganz stolz, dass ich ihn für eine Exklusiv-Lesung am 28. September im örtlichen Museum gewinnen konnte.

Als persönliches Highlight in den letzten 100 Tagen habe ich meine erste Trauung am Steg neben dem Fischerhäusl erlebt. Ein Paar aus Köln gab sich vor vielen Gästen das Ja-Wort. Während ich meine Rede hielt, schwamm ein älterer Herr mit einer Schwimmnudel herbei, hielt sich am Steg fest und lauschte meinen Worten. Gott sei Dank war das Hochzeitspaar total unkompliziert und ließ sich von diesem unerwarteten Gast nicht aus der Ruhe bringen.

Auch freut es mich sehr, dass unsere Dorfstraße demnächst durch eine Arztpraxis, Behandlungsräume einer Heilpraktikerin sowie ein neues Café zusätzlich belebt wird. Außerdem durfte ich schon die Erfahrung machen, dass die Bürger viele gute Ideen haben: So arbeiten wir zum Beispiel auf Anregungen aus der Bevölkerung gerade am Ausbau der Wanderwege und denken über die Schaffung von Wasserspielen für Kinder am Seeufer nach. Auch Sitzgruppen mit Hockern in Form von Pilzen an prädestinierten Ecken sind in Planung. Da mir Bürgernähe und Transparenz sehr am Herzen liegen, hoffe ich, dass die Menschen auch in Zukunft den direkten Kontakt mit mir suchen und wir miteinander im Gespräch bleiben.

Bunte Ordnerrücken

Bunte Ordnerrücken © Ammergauer Alpen GmbH, Fotografin: Michaela Feldmann

Dass mir eine lebendige, bunte Gemeinde wichtig ist, kann man sogar in meinem Büro sehen: Statt der üblichen Ordner im tristen Einheitsgrau füllen bunte Früchtchen-Ordner meinen Aktenschrank. Und wenn ich wirklich einmal Zeit übrig habe, gehe ich gerne Genuss-Radln in unserer schönen Landschaft. Während es andere früher oder später in die Ferne zieht, konnte ich mir übrigens nie vorstellen, wo anders als in Bad Bayersoien zu leben.

Zur Person

Gisela Kieweg

Gisela Kieweg

Gisela Kieweg ist Jahrgang 1966. Nach dem Hauptschulabschluss machte sie eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau. Vor 17 Jahren – ihre jüngere Tochter war noch sehr klein – begann sie als Angestellte in der Gemeinde Bad Bayersoien. "Ohne mein daraus resultierendes Vorwissen hätte ich mir das Bürgermeister-Amt nicht zugetraut“, sagt sie heute.

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