Blog Pins
Tierspuren im Schnee

Fährtenlesen für Anfänger

Fährtenlesen für Anfänger

Gämse im winterlichen Gelände © Pixabay

„Im Winter kannst Du ja sowieso keine Führungen machen; da gibt’s doch nix zu sehen, oder ?“ Das werde ich immer wieder gefragt – doch dass es auch im Winter eine ganze Menge zu entdecken gibt, möchte ich Euch im nachfolgenden BLOG-Beitrag erzählen:

Sobald die Ammergauer Alpen das erste dauerhafte "Winterkleid" angelegt haben, biete ich auch in diesem Winter Wanderungen (mit oder ohne Schneeschuhen) an. Dabei lernen die Teilnehmer nicht nur die Vorzüge des Schneeschuhwanderns und einige der schönsten „Ecken“ des Ammer- und Graswangtales kennen, sie erfahren auch viele interessante und amüsante Fakten und Geschichten aus dem Ammergebirge. Als weiterer fester Bestandteil meiner Wanderungen haben sich insbesondere die Erklärungen der entdeckten Tierspuren etabliert; viele Spuren sind im Schnee zwar leicht zu finden – doch wer kann schon sicher sagen, wer der jeweilige „Verursacher“ war.

Blick ins Graswangtal

Blick ins Graswangtal © Ammergauer Alpen GmbH

Als Naturfreund und ehrenamtlicher Naturschutzwächter bin ich mit meinen Schneeschuh-Gruppen natürlich nur dort unterwegs, wo wir die winterlichen Einstände der Wildtiere nicht stören oder die Ruhe suchenden Tiere unter Umständen gar in die Flucht schlagen. Das heißt, wir nutzen hauptsächlich das offene Gelände, am liebsten rund um die Brandwiese zwischen Linderhof und Graswang oder offene Bereiche zwischen Altenau und Unterammergau.

Schneespur Hase

Schneespur vom Hasen © Ammergauer Alpen GmbH, Markus Gerum

Fast überall auf den größeren freien Flächen, aber auch um Gebüsch-Gruppen und um Hecken herum, sind die Fährten von Fuchs, Feldhase und Wiesel zu entdecken. Rothirsch- und Rehspuren finden wir hauptsächlich in der Nähe der Waldränder, aus denen die Tiere nachts auf der Suche nach Nahrung heraus kommen. Eichhörnchen-Fährten sehen wir im Winter nur von Zeit zu Zeit und insbesondere bei freundlicherem Wetter, denn die flinken Nager halten Winterruhe. Der Steinmarder hinterlässt seine auffällige Doppel-Fährte sowohl im Ortsbereich als auch in und um Wälder.

Bei genauerer Betrachtung und mit etwas Erfahrung im Spurenlesen kann man aus manchen Spuren sogar „kleine Dramen“ rekonstruieren - wenn z.B. ein Greifvogel – Bussard oder Eule - auf einer Wiese Beute geschlagen bzw. gemacht hat. Besonders spannend finde ich, dass der Waldkauz Mäuse sogar hören kann, wenn diese unter dem Schnee fressen oder graben. In sehr schneereichen Wintern hilft den Käuzen ihr Super-Gehör aber auch nicht mehr und es verhungern viele von ihnen.

Hirsch

Hirsch bei der Wildtierfütterung in Graswang © Birgit Pössinger

Sind die Spuren erst sicher bestimmt, erkläre ich meist auch die vom Verursacher bevorzugte „Überlebens-Strategie“ in kalten und schneereichen Wintern. Die Tiere, die den Winter über bei uns verharren, müssen Energie sparen und ruhen viel und oft. Wenn diese Tiere unnötig gestört werden oder gar flüchten, kostet das lebenswichtige Energie. Deshalb führe ich meine Gruppen wie bereits erwähnt, nur in bzw. durch Bereiche, in denen wir keine Störungen verursachen. Wichtig ist mir, dass die Teilnehmer erfahren, wie sie sich auf eigenen Touren im Gelände verhalten sollten.

Baummarder-Spur

Spur eines Baummarders im Schnee © Gerd Ohnsesorge

Leider gibt es auch im Winter Situationen, bei denen das Spurenlesen erschwert wird: Wenn es z.B. die ganze Nacht hindurch geschneit hat, sind am Tag alle Spuren wieder verwischt. Bei kalten Temperaturen und pulverigem Schnee wird das Fährtenlesen oft auch dadurch erschwert, dass der lockere Schnee in bzw. auf die Fährten rieselt. Die Abdrücke werden derartig „verschleiert“ oder bedeckt, dass eine sichere Unterscheidung z.B. zwischen Hirsch und Reh oder Hund und Fuchs kaum noch möglich ist. Am besten ist festerer und älterer (aber nicht verharschter) Schnee. Bei solchen Bedingungen sind die Spuren manchmal so gut sichtbar, dass man z.B. bei Fuchsfährten sogar die Nagel-Abdrücke noch erkennen kann.

Wer sich nicht alleine auf die Suche nach den Spuren im Schnee machen will, kann sich im kommenden Winterhalbjahr einer meiner Führungen anschließen. Ihr werdet staunen, was es im Winter alles zu entdecken gibt.

Zur Person

Markus Gerum

Markus Gerum

Markus Gerum aus Oberammergau ist 48 Jahre alt und durschstreift und erforscht schon seit über 35 Jahren die Natur in den Ammergauer Alpen und der Umgebung.

Neben seinem Hauptberuf als Naturführer ist der erfahrene Vogel- und Fledermauskundler auch als ehrenamtlicher Naturschutzwächter und Biber-Berater für das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen tätig. In seiner Freizeit hält er sich beim Mountainbiken fit und - wie könnte es anders sein - verbringt jede frei Minute in seinem "zweiten Wohnzimmer" - der Natur. (www.naturerlebnis-ammertal.de)

zurück
comments powered by Disqus