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Köhlertage in Bad Kohlgrub

Einblick in längst vergangene Zeiten

Einblick in längst vergangene Zeiten

Der brennende Kohlenmeiler © Manfred Dittmann

Um Einheimischen und Kurgäste näher zu bringen, wo der Name unseres Ortes Bad Kohlgrub eigentlich herkommt, veranstalten die Köhlerfreunde heuer bereits zum 13. Mal die Köhlertage.

Ich selbst bin seit sechs Jahren dabei und eines von aktuell 20 Mitgliedern im Alter von 30 bis 73 Jahren. Unser gemeinsames Hobby, die Köhlerei, war für die ersten Menschen, die sich in dieser waldigen Gegend an der Lindach ansiedelten wohl noch Lebensmittelpunkt.

Das „Grub“ in Kohlgrub weist möglicherweise auf die topographische Lage hin, da der Ort von Saulgrub aus gesehen in einer Grube liegt. Es kann aber auch auf eine uralte Technik des Kohlebrennens in einer Grube zurückzuführen sein.  Wir errichten dagegen jährlich einen Meiler an unserer Brandstatt für den wir zwei Jahre im Vorlauf das Holz schlagen, damit es bis zu seinem Einsatz richtig austrocknen kann. Das Eschen- und Buchenholz bekommen wir immer von der Gemeinde gespendet, weil diese froh über unsere Bemühungen im Hinblick auf Orts- und Heimatkunde ist. 

Kohlenmeiler_Aufbau

Der aufgebaute Kohlenmeiler © Manfred Dittmann

Beim Verbauen der 10 Ster Holz ist es wichtig, dass wir fachmännisch vorgehen. Sonst brennt der Meiler unter Umständen zu schnell ab, was einen geringen  Ertrag zur Folge hätte. Wenn alles gut läuft, gewinnen wir etwa eine Tonne Holzkohle. Eine Grundregel besagt, dass man pro Ster einen Tag zum Abbrennen benötigt. Wobei Abbrennen eigentlich der falsche Begriff ist. Denn im Inneren des Meilers darf es nicht brennen sondern nur glimmen. Dennoch haben wir dort eine Temperatur von 500 bis 600° C.

Darum ist es unerlässlich, dass wir den Meiler zwischen dem Entfachen und dem Öffnen ständig im Auge haben. Nachts wechseln sich zwei von uns mit der Wache ab. Die Luftzufuhr muss regelmäßig kontrolliert werden, um eine Überhitzung zu verhindern. Der Wind ist deshalb unser größter Feind. Kommt ein Sturm auf, müssen wir die Luftlöcher, die wir in den Meiler gestochen haben, wieder verschließen.

Öffnen des Kohlen-Meilers

Öffnung des Kohlen-Meilers © Michaela Feldmann

Der Meileraufbau beginnt heuer am 23. Mai. Zunächst legen wir aus Rundhölzern oder Brettern einen ebenen Boden aus. In der Mitte rammen wir eine Art Kamin ein und füllen ihn mit trockenem Kleinholz. Anschließend werden einen Meter lange Holzscheite kreisförmig aneinander und aufeinander geschichtet. Entstehende Zwischenräume füllen wir mit kleinen Holzstückchen sorgfältig aus.

Am Vatertag wird der Meiler dann im Rahmen einer Veranstaltung entfacht. Bei dieser Gelegenheit können die Besucher einem Schmied und einem Kohlezeichner bei der Arbeit zuschauen. Es gibt einen Streichelzoo und auch für das leibliche Wohl ist natürlich gesorgt. Im Rahmen der Köhlertage stehen auch ein Mäh- und Dengelkurs für Hobbygärtner sowie einen Kindertag mit Stockbrot-Backen am Lagerfeuer auf dem Programm.

Kohlen-Ernte

Die Ernte der Kohle © Michaela Feldmann

Highlight der Köhlertage ist dann immer die Ernte der Kohle und der spannende Moment, wenn der Meiler geöffnet wird. Erst jetzt wissen wir, ob wir richtig gearbeitet haben und wir unsere Bemühungen mit Erfolg gekrönt sind.

Veranstaltungsdaten der Köhlertage finden Sie hier

 

Zur Person

Hans Schedler

Hans Schedler

Hans Schedler ist 1952 im Bad Kohlgruber Weiler Großenast geboren. Nach seiner Zimmererlehre begann er 1972 seine Tätigkeit als Postbote. Zwei Jahre später heiratete er. Nachdem Hans Schedler 40 Jahre Briefe und Pakete in wechselnden Bezirken der Region zu Fuß, per Rad und mit dem Auto zugestellt hatte, ging er 2012 in Altersteilzeit und engagiert sich seitdem verstärkt bei den Köhlerfreunden.

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