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Mit dem Mähboot auf dem Soier See

Ein See wird gemäht

Ein See wird gemäht

Der Rasenmäher © Manuela Schauer

Pannen, oh ja, die hat's gegeben, wenn ich ausgerückt bin, um den Soier See vom Kraut zu befreien. Ab und zu wollte der Motor meines Bootes nicht mehr und ich mutterseelenallein herumgetrieben – also mein Boot und ich. Ein Anruf und schon wurde ich abgeholt und ans Ufer gebracht. Das war früher. Heute, mit meinem „namenlosen Mähboot“, passiert mir sowas nicht mehr.

Na gut. Seit die Gemeinde vor drei Jahren das neue Gerät angeschafft hat, gab's dann doch nochmal ein kleines Missgeschick, weil ich bei Wind und Wetter meine Arbeit mache. Außer es schneit gerade, bei Regen aber schon. Da hab' ich mir gedacht, ich rüste mich mit einem Regenschirm. Tja, der ist mir allerdings auf dem See davongeflogen. Seitdem verzichte ich drauf und lasse mich duschen.

Auf dem Rasenmäher

Mit dem Mähboot auf dem Soier See © Manuela Schauer

Vor sechs oder sieben Jahren hab' ich damit angefangen, den See sauber zu machen. Er war komplett zugewachsen. So konnte das mit der Lache nicht weitergehen. Die Gemeinde hat jemanden gesucht, der sich drum kümmert. So kam ich ins Spiel, weil mir die Natur am Herzen liegt. Also bin ich von Frühjahr bis Herbst jeden Tag um 4 Uhr aufgestanden, die 30 Meter von meinem Haus runter zum Boot marschiert und hab' den See strichweise abgefahren. Dass man gerade Bahnen zieht, ist wichtig, weil man sonst nur umherirrt. Ich merke mir deshalb immer einen Baum und orientiere mich an ihm. Auf jeden Fall hab' ich im ersten Jahr um die 100 Karren an Algen etc. herausgeholt. Bestimmt tonnenweise.

Lage sondieren, Plan machen, mähen

Lage sondieren, Plan machen, mähen © Manuela Schauer

Ich bin fast nicht mehr fertig geworden, weil das alte Boot die Wasserpflanzen nicht aufnehmen konnte. Dann entschied sich die Gemeinde dazu, das neue Mähboot zu kaufen. Die Zacken vorne schneiden das Kraut am Seegrund ab, dann kommt das Material auf eine  Art Laufband und dieses befördert es nach hinten. So kann ich etwa vier Kubikmeter bei einer Fahrt sammeln und ans Ufer transportieren. Theoretisch. Ich muss immer noch lachen, wenn ich dran denke: Denn als das neue Boot kam, war kein Gramm Kraut mehr im See. Wenn ich mir was vornehme, dann bekomme ich das halt auch hin. Problem gelöst. Die Badegäste freut's. Nur die Schwäne grasen inzwischen am Ufer, weil sie im See nichts mehr finden.

Schutz der Mähzinken

Schutz der Mähzinken © Manuela Schauer

Viele wollten mir Kraut-Flaute gar nicht glauben. Die lag gar nicht nur an mir, sondern daran, dass so viele Fische in unserem Natursee leben.  Keiner weiß, wie viele und welche Arten herumschwimmen. Wenn man aber mäht, dann kommen frische junge Triebe und die Fische fressen die. Manche sagen, wenn man zu viel mäht, fördert das das Wachstum des Krauts. Das ist aber ein Schmarrn, wenn ein guter Fischbestand im See vorhanden ist. Wir sind der Beweis. Wir haben eine Top-Qualität!

Manchmal leiht die Gemeinde nun das Boot aus. Mich inklusive, weil man das Mähen mit dem Gerät nicht in einer Woche lernt. Am Schmuttersee bin ich schon herumgeschippert, am Dutzendteich in Nürnberg, in Münsing, und und und. Für ein halbes Jahr stand es in Wien, aber ohne Papa Waschtl. Ich kann's gar nicht schätzen, aber 500 Stunden hab' ich bestimmt schon drauf gesessen und bin  mit meinen vier Kilometern pro Stunde herumgetuckert. Und trotzdem immer zu schnell fertig. Schneller als das Echolot, das ich mal zur Orientierung testen wollte. Das ist aber so langsam gegangen, dass ich mit dem Boot schon wieder ganz wo anders war. Ich verlass' mich also lieber auf Augen und Gespür.

Kapitän Sebastian Erle

Kapitän Sebastian Erle © Manuela Schauer

Am Soier See sieht man mich nicht mehr so oft wie früher. Manchmal mähe ich halt dann wieder zwei Tage. Das gefällt mir einfach. Der Erfolg ist mir ein Erlebnis. Ich kann dann sagen, ich hab' etwas geschafft. Außerdem gibt’s nichts Schöneres, als wenn in der Früh die Sonne rauskommt. Einfach gigantisch. Noch dazu hat man um die Uhrzeit noch für ein paar Stunden seine Ruhe. Obwohl das Mähen dann schon auch langweilig wird, wenn man den ganzen Tag auf dem See herumfährt. Aufhören will ich trotzdem noch lang nicht, so arg kann mich der Gemeinderat gar nicht ärgern. Das Mähen gehört zu meinen Spielereien.

Zur Person

Sebastian Erle

Sebastian Erle

Sebastian „Waschtl“ Erle, 53, lebt seit seiner Geburt in  Bad Bayersoien und wohnt in einem Haus direkt am See. Er ist verheiratet und Vater eines Sohns und einer Tochter. Gelernt hat der Frührentner Zimmermann und Forstwirt, heute vermietet er Pensionszimmer und arbeitet als Nebenerwerbslandwirt. Ihm gehören zwei Highland-Rinder, zwei Pferde, zehn Schafe und zwei Ziegen. Zusätzlich ist er als Fischereiaufseher und Waldobmann tätig. Und hat den Barfußpfad und den Moorlehrpfad mit konzipiert und gebaut. Er selbst sagt: „Ich hab' keine Freizeit.“

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