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Kräuterküche für Feinschmecker

Auf den Geschmack gekommen

Auf den Geschmack gekommen

© Ammergauer Alpen GmbH

Kräuter sind mein Lebenselexir, könnte man sagen. Die Grundlage für meine Kräuter-Begeisterung  wurde schon in frühester Kindheit gelegt. Meine Mutter wuchs auf einem Hof in Böbing-Leiten auf. Während und nach dem Krieg bestand die Notwendigkeit, sich selbst zu versorgen – es gab ja nicht mehr viel. Da wurde von meinen Großeltern z. B. Lein angebaut und die Leinsamen für Salate und Leinöl zum Kochen verwendet, auch der Leinflachs wurde verarbeitet. Das Kraut vom Krautacker zu Sauerkraut oder angebautes Getreide zu eigenem Brot verarbeitet u. v. m.

Ihr erlerntes Wissen gab meine Mutter an uns Kinder weiter und erklärt schon damals, wie z. B. der Spitzwegerich als „Mückenstich“pflanze und Hustensaft verwendet wird. Selbstverständlich fehlte die Ermahnung „Nicht alles ist essbar, aufpassen“ nie. Meine Mutter wusste auch, wie man Salben z.B. für Euter-Entzündungen bei den Kühen oder Sonnenbrandwunden selbst herstellt. Im Laufe der Zeit ging dieses Wissen verloren, da man bald alles kaufen konnte und man zudem verlacht wurde, befasste man sich mit der Kräuterkunde.

Kräuterteller

Kräuterteller © Ammergauer Alpen GmbH,

Als ich selbst Mutter wurde, kamen die Erinnerungen an vergangene Zeiten. Das genaue Wissen jedoch, welche Pflanze die Mutter und Großmutter mit welchem Bestandteil wofür verwendet haben, war vergessen. Zufällig ergab es sich, dass in Weilheim die Ausbildung zur Kräuterpädagogin angeboten wurde und ich nahm die Chance war, meine Kenntnisse aufzufrischen.

Als Biobäuerin ist es mir sowieso ein Anliegen, im Einklang mit und von der Natur zu leben und von ihr zu lernen. Ein weiterer Grund war, mich auf den ureigenen Geschmack der Speisen, Kräuter und Salate zurück zu besinnen – Essen ohne Chemie, Konservierungsmittel und Zusatzstoffe.

Jetzt im Frühjahr hole ich die frischen Knospen von Birken-, Buchen- oder Lindenbäumen. Lindenknospen schmecken wie Leinsamen. Wichtig ist es aber, den Baum vorher um „Erlaubnis“ zu fragen – der Natur mit Respekt und Achtsamkeit zu begegnen und sie als Freund zu behandeln, ist der Leitsatz der Kräuterpädagogen. „Einen Freund nehme ich doch auch nicht aus und gehe sorgsam mit ihm um“. So pflücke ich immer in Maßen und nur das, was ich gerade brauche. Gerade mal eine Handvoll  junge, ganz frische Lindenblätter zupfe ich beispielsweise ab, um sie mit Genuss auf einem Butterbrot zu essen – sie schmecken etwa wie das Innere eines Kopfsalates nur süßer, wie Honig. Um zu entschlacken und entgiften nutze ich die Brennnessel und den Löwenzahn. Wussten Sie, dann man aus den Wurzeln des Löwenzahnes Kaffee machen kann? Dazu die Wurzeln ausgraben, waschen, in der Pfanne rösten und dann vermahlen und wie normales Kaffeepulver verwenden.

Kräuterteller 2

© Ammergauer Alpen GmbH

Im Sommer kann ich aus dem Vollen schöpfen, jedoch tendiere ich hier besonders zu den Blüten und lege sie als Beilage zu den Speisen oder einfach auch aufs Brot.

Im Herbst kommt dann die Ernte der Früchte und Samen, hier finden Hagebutte, Schlehe und Haselnüsse den Weg in meine Küche.

Im Winter werden dann die gesammelten Vorräte wie Johanniskrautöl, Himbeeressig, Marmeladen und Sirup verbraucht. Für die Rauhnächte im Dezember nehme ich meine gesammelten Kräuter zum Räuchern – Thymian hilft z.B. gegen Husten.

Kräuterbrot

© Ammergauer Alpen GmbH

Meine „Berufskollegen“ Martin Unruh aus Oberammergau, Waltraud Riedel-Ertl aus Unterammergau und Marianne Sternkopf aus Bad Kohlgrub bieten ebenso wie ich regelmäßig Kräuterführungen im Sommer an. Wir teilen unser Wissen mit den Gästen und lehren diese die Schönheit und den Reichtum der Natur. Gleichzeitig bitten wir, selbst respektvoll und achtsam mit der Natur umzugehen, um lange die  Freude, die sie schenkt und Lebensbejahung, die sie vermittelt, zu erhalten. Selbst die Kinder sind bei den Führungen mit Feuereifer dabei und fragen mir oft ein „Loch in Bauch“.

Wer einmal selbst mit dabei sein möchte: Hier die Termine für die Kräuterwanderungen

Zur Person

Annemarie Gerold

Annemarie Gerold

Anna-Marie Gerold, geboren und aufgewachsen in Oberammergau ist Bio-Bäuerin und Vermieterin auf dem „Zoberbauer-Hof“ in Oberammergau. Sie ist verheiratet und Mutter von 3 Söhnen.

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