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Leonhardiritt in Unterammergau, Marianne Solleder

Auch Pferde brauchen einen Segen

Auch Pferde brauchen einen Segen

Für Leonhardi geschmücktes Pferd © Horst Preisenhammer

Am Sonntag, den 26.10.2014 ist es wieder so weit, für uns Pferdebesitzer steht einer der höchsten Feiertage vor der Tür: der Leonhardiritt in Unterammergau. Er findet jedes Jahr am letzten Oktoberwochenende statt.

Auch wenn es viel Arbeit und sehr frühes Aufstehen bedeutet, wir freuen uns jedes Jahr wieder darauf, mit unseren schön geschmückten Pferden durch unser beschauliches Dorf bis zu unserer kleinen Wallfahrtskirche Kappel zu reiten.

Los geht´s für uns schon um 04:30 Uhr in der Früh. Wir haben schon an den Tagen vorher und auch noch am Vorabend mit verschiedene Vorbereitungen angefangen: wir haben unsere Pferde geputzt und die Mähnen auf Hochglanz gebracht. Alle „Zutaten“ wie Bänder, Hanf und Buchs wurden hergerichtet, das Festtagsgewand herausgelegt, das Zaumzeug geputzt und eingefettet etc.. Die Hauptarbeit muss doch noch in der Früh gemacht werden: Die Pferde werden noch einmal geputzt, Bänder und Röschen in die Mähne eingepflochten, was viel Zeit in Anspruch nimmt, aber wenn das mal erledigt ist, schaut es richtig schön aus. Den Schweif schmücken wir natürlich auch mit bunten Bändern – so ist es der Brauch. Danach satteln wir auf und legen das Zaumzeug an.

Geschmückte Pferde

Kunstvoll geschmückte Pferde © Nicole Richter

Unsere beiden Kaltblüter „Helena“ und „Henny“ sind auch schon aufgeregt. So früh werden sie normalerweise nicht aus dem Schlaf gerissen und an Mähne und Schweif schon zweimal nicht herumgezupft. Brav lassen sie alles ruhig über sich ergehen. Sie sind, was „Leonhardi“ angeht, alte Hasen. Wir reiten mit ihnen schon 5 bzw. 3 Jahre bei der Prozession mit – so wissen wir auch genau, dass unsere beiden publikumserprobt sind und keine Schwierigkeiten während der Zuges machen. Denn es herrscht schon immer ziemlicher Trubel und Lärm, wenn wir alle losziehen und die 4 Blaskapellen, die den Zug begleiten ihre Musikstücke spielen.

Da wir in Unterammergau zu Hause sind und nicht weit entfernt von der Pfarrkirche unseren Hof haben, fällt für uns der oft beschwerliche Anfahrtsweg mit Pferde-Hänger weg. Die Pferde sind entspannt und ausgeruht. Aber auch wir sind bester Stimmung. Groß und klein ist auf den Beinen.

Zug über die B23

Leonhardiprozession über die, für den Verkehr gesperrte, B23 Richtung Kappelkirche © Nicole Richter

Wir machen uns um ca. 09:00 Uhr zum Aufstellen bereit. Die Zugfolge ist immer strikt  festgelegt. Unser prominenter Vorstand des Leonhardivereins, der Landrat Anton Speer, passt ganz genau auf, dass jeder seinen vorgesehenen Platz einnimmt. Um 09:45 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Das bunte Bild der Reiter, Wägen und Blasmusik-Kapellen zieht jedes Jahr mehrere Tausend Zuschauer an und begeistert uns selbst auch immer wieder. Viele laufen mit uns mit dem Zug mit, aber genauso viele stehen am Strassenrand, bestaunen und beklatschen die vielen Teilnehmer und überall hört man das „Klick-Klick“ der Fotoapparate.

Leonhard-Festwagen

Festwagen mit der Statue mit dem St. Leonhard © Nicole Richter

Der Zug ist dem Heiligen Leonhard vom Limoges gewidmet, daher ist seine Statue auch immer auf einem eigenen Festwagen dabei. Dabei ist der Heilige Leonhard irrtümlich aufs Pferd gekommen. Er war eigentlich der Schutzpatron der Gefangenen. Versehentlich wurden die Ketten zu seinen Füßen für Viehketten gehalten, eigentlich waren es Ketten armer Gefangener.

An der Kappelkirche angekommen, dürfen sich die Pferde ausruhen und die Reiter und Zuschauer nehmen an der Messfeier teil. Anschließend werden die Pferde mit ihren Besitzern gesegnet, was uns sehr wichtig ist.

Gottesdienst an der Kapplkirche

Gottesdienst an der Wallfahrtkirche Kappl © Horst Preisenhammer

Nach dem Gottesdienst und der Pferdesegnung geht es zurück ins Dorf, wo um 12:15 Uhr ein gemeinschaftliches Konzert der vertretenen Blaskapellen stattfindet.

Es macht uns stolz und glücklich mit unseren Pferden dieses Brauchtum des Leonhardiritts zu pflegen und an nächste Generationen weiterzugeben – das ist Heimat – meine, unsere Heimat.

Zur Person

Helena

Helena

Helena ist seit 5 Jahren Teilnehmerin beim Leonhardi-Ritt in Unterammergau. Sie "wohnt" bei Marianne Solleder auf dem Hof in Unterammergau.

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