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Die nostalgische Sesselbahn an Bad Kohlgrubs Hausberg Hörnle feiert am 30. August Geburtstag

60 Jahre und kein bisschen müde

60 Jahre und kein bisschen müde

Aussicht Berg- bzw. Talfahrt anno dazumal © Ammergauer Alpen Gmb, privat

Die Anfänge der Hörnlebahn liegen in der Nachkriegszeit. Einige einflussreiche und aktive Bürger sowie die Gemeinderäte um den damaligen Bürgermeister Reiner erkannten sehr bald nach dem Krieg den Wert des Hörnles und das ungenutzte Potential Bad Kohlgrubs als Fremdenverkehrsort. Mit dem Bau der Hörnle-Schwebebahn wurden die Weichen gestellt.

Bau

Bau der Hörnlebahn © Gemeinde Bad Kohlgrub, Martin Doll

Da im Kurort mit älteren und gehbehinderten Menschen zu rechnen ist, wurde eine Konstruktion mit Schwenkdoppelsitze gewählt.

1953/54 wurde eine GmbH gegründet und der Bau der Bahn in Angriff genommen. Mit 348.000 DM waren die Gesamtkosten zu damaligen Zeiten enorm. Die Gemeinde beteiligte sich mit 10.500 Mark, der Rest wurde durch den Kur- und Verkehrsverein sowie durch die Bürger erbracht. Am Bau waren 15 Arbeiter beteiligt, die täglich 12 - 14 Stunden, beim Betonieren manchmal 39 Stunden, in einem Stück beschäftigt waren.

Baum im Seil

Wintereinbruch © Ammergauer Alpen GmbH, privat

Im Winter 1953/54  fielen 30-40 Bäume in das Seil, weil der Schnee die Bäume um drückte. Trotzdem war die Bahn früher als gedacht im Dezember 1953 bereit zur Abnahme. Die  Genehmigung verzögerte sich jedoch bis zum März 1954, da der Bahnbau kurz nach dem Krieg erfolgte und die Prüfstellen noch „keinen richtigen Plan” hatten, sprich, die Auflagen wurden immer wieder verändert.

Bei der ersten Begehung hatten die Prüfer daher über 100 Punkte, die geändert oder verbessert werden mussten. Es war sogar nötig, zwei der Masten zu erhöhen.

Materialseilbahn

Materialseilbahn © Gemeinde Bad Kohlgrub, Martin Doll

Seit ihrer Betriebseröffnung am 01.04.1954 hat die Bahn schon so Einiges miterlebt. Dabei war sie auch Zeugin einiger kurioser Geschichten. So gibt es Gerüchte, dass hiesige Bauern nach der Holzarbeit am Hörnle oben nach offiziellem Betriebsschluss unerlaubterweise in die noch laufende Bahn einstiegen. Die Angestellten sollen es vom Tal aus gesehen und den Lift  trotzdem abgeschaltet haben. 1 Stunde lang mussten die „Schwarzfahrer“  in der Bahn ausharren, bis sie nach unten fahren durften. In den Anfangszeiten der Bahn gab es noch keine Wege auf das Hörnle und so wurde das am Berg erlegte Wild mit dem Lift ins Tal befördert.

Hirsch im Sitz

Hirsch im Sitz © Ammergauer Alpen GmbH, privat

Insgesamt wurde die Bahn sehr positiv angenommen und war Anziehungspunkt in der Region. Damals kostete die Bergfahrt 2 DM und eine Talfahrt 1,50 DM. Selbst Ministerpräsident Alfons Goppel, der im Urlaub öfters in Bad Kohlgrub war, fuhr oft jeden Tag aufs Hörnle.

Im Winter kamen die Münchner sogar busseweise zum Skifahren. Es herrschte so großer Andrang, dass in späteren Jahren der Stockhanglift und der Tannenbankerlift gebaut wurden, um die Seilbahn zu entlasten. Es standen teilweise 500-600 Leute an, was oftmals 2 Stunden Wartezeit bedeutete. Die Kurgäste aus den großen Häusern wie Kurhaus und Schillingshof strömten gleich mal gruppenweise zur Bahn.

Probefahrt

erste Probefahrt mit dem Sessellift: Personen v.l. Felix Schwarz, Otto Brda (Betriebsleiter), Hans Reiner sitzend (1.Bürgermeister), Eduard Schlichtung © Gemeinde Bad Kohlgrub, Martin Doll

Viele Kinder und Jugendliche, gerade die meiner Generation, haben am Hörnle das Skifahren gelernt und Freude am Wintersport bekommen. Durch die schlechten Winter, die Konkurrenz anderer Skigebiete und das Alter der Bahn lässt der Skitourismus leider etwas nach. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern wurde eine Rodelbahn errichtet, die großen Anklang bei den Besuchern findet.

Der Sommerbetrieb war noch nicht so stark wie heute, wird aber durch geschickte Vermarktung immer mehr zu einem wichtigen Faktor. Die Fahrgastzahlen belegen die ansteigende Beliebtheit der Bahn. So wird beispielsweise das Angebot, am Hörnle zu heiraten, sehr gut angenommen. Wir durften dieses Jahr eine Hochzeit von Gästen, die bei uns wohnten, miterleben. Es war wirklich ein besonderer Moment, als sie sich am Gipfel vom Zeitberg bei Traumwetter und einmaliger Alpenkulisse das „Ja-Wort“ gaben.

Aussicht Hörnle

Aussicht vom Hörnle heute © Ammergauer Alpen GmbH, Mathias Fend

Ich glaube,  dass die Zukunft der Bahn in seiner Historie liegt. Im Zeitalter von Stress und „immer noch schneller“ ist eine 20-minütige Fahrt eine Wohltat, wenn man es denn zulässt. Auch der Berg selbst ist ein Erlebnis. Es gibt wenige Berge, die solch eine Aussicht bieten. Das sog. „Zeitbergkonzept“ passt genau zur Bahn oder die Bahn dazu.

Wir müssen diese Konzepte auch in Zukunft konsequent nach vorne bringen, um die Bahn weiterhin für Gäste attraktiv zu halten und die Fahrgastzahlen zu erhöhen.

60 Jahre Hoernle

60 Jahre Hörnle-Schwebebahn © Ammergauer Alpen GmbH

Derzeit laufen die Vorbereitungen zur Jubiläumsfeier auf Hochtouren. In Zusammenarbeit mit den Ammergauer Alpen haben wir im Vorfeld die Werbemaßnahmen erarbeitet. Neben Aktionen wie Flyer und spezielle Plakate mussten Pressemitteilung, Internet und die Bewerbung in Social Media Kanäle entwickelt und organisiert werden.

Die Vorbereitungen laufen bis jetzt sehr gut, der Zeitdruck ist aber enorm und es ist nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Eine besondere Herausforderung ist  das Wetter, das wir nicht beeinflussen können.  Bei schlechter Witterung findet die Veranstaltung komplett im Tal am Tannenbankerl statt und es muss dann umorganisiert werden. Aber wir sind guter Dinge und hoffen auf gutes Wetter.

Veranstaltungsdetails

Zur Person

Martin Niklas

Martin Niklas

Martin Niklas, 49 Jahre alt, gebürtiger Bad Kohlgruber, ist verheiratet und ich habe 2 Kinder. Er hat den Beruf als Elektroinstallateur erlernt und die Meisterprüfung erfolgreich abgelegt. Seit 1991 betreibt er mit meiner Frau und 7 Mitarbeitern die Firma Elektro Niklas in Bad Kohlgrub.

1 Tag am Hörnle beim Kreuzaufstellen oder beim Feuermachen ist für ihn wie ein Tag Urlaub und zeigt ihm sein Heimatgefühl! 

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